Psychotherapeutisch-psychoanalytische Praxis Dr. Kurt Husemann | Bergmannstr. 45 - 47, 10961 Berlin-Kreuzberg

Analytische Gruppenpsychotherapie 

Was ist analytische Gruppenpsychotherapie?

Neben den klassischen Verfahren der analytischen Psychotherapie und Psychoanalyse wurde eine weitere Methode analytischer Psychotherapie und Forschung entwickelt, die verstärkt den sozialen und historischen Bedingungen bei der Entstehung von psychischen und psychosomatischen Störungen und ihren Auswirkungen auf andere Rechnung trägt: die der analytischen Gruppenpsychotherapie.

Die analytische Gruppenpsychotherapie wird von speziell ausgebildeten Psychoanalytikern angeboten und umfasst eine kontinuierlich arbeitende Gruppe zwischen 7 bis 9 Teilnehmern.

Diese Gruppe arbeitet kontinuierlich und nimmt nur dann ein neues Mitglied auf, wenn jemand die Behandlung abgeschlossen hat (slow-open-Prinzip).

Grundannahme der analytischen Gruppentherapie ist, dass alle seelischen Störungen und ihre Auswirkungen in psychosomatischen Erkrankungen, Ängsten, Depressionen oder immer wiederkehrenden Beziehungsproblemen ein Ergebnis von belastende Erfahrungen sind, die der Einzelne nicht angemessen hat verarbeiten und integrieren können. Diese Kernkonflikte, die hinter den Symptomen liegen, zeigen sich auch im Umgang mit anderen Gruppenteilnehmern und können dort wahrgenommen und durchgearbeitet werden.

Außer dem analytischen Gruppenverfahren arbeiten auch noch andere therapeutische Verfahren wie die Verhaltenstherapie mit dem Medium der Gruppe. Diese sind in ihren Vorgehensweisen aber sehr unterschiedlich und sollten nicht verwechselt werden.

Vor dem Beginn einer Gruppentherapie sollten Patient und Therapeut genau besprechen, welche Methode zur Behandlung seiner Probleme sinnvoll ist und wie die Behandlung im Wesentlichen verläuft.

Wann nützt eine analytische Gruppenpsychotherapie

Wie entscheidet ein analytischer Psychotherapeut, seinem Patienten eine analytische Gruppentherapie und nicht eine Einzelpsychotherapie zu empfehlen?

Grundsätzlich gilt hier der Satz des amerikanischen Psychoanalytikers Menninger:

"Niemand braucht schwerst krank zu sein,
um persönlich wachsen zu wollen."

Im Grunde genommen eignen sich nämlich alle Patienten, die sich an die Praxis eines niedergelassenen Psychoanalytikers wenden, mehr oder weniger für eine analytische Gruppentherapie. Das heißt, das gesamte Spektrum der Erkrankungen, die im Rahmen einer Krankenkassenbehandlung (Richtlinienpsychotherapie) beschrieben werden, kann  mittels einer analytischen Gruppentherapie behandelt werden.

Die analytische Gruppe ist ein soziales Feld (Matrix), in dem sich die Beziehungsprobleme, die einen Patienten  in Behandlung geführt haben, abbilden und dort verstanden und bearbeitet werden können. Zum anderen ist die Gruppe so etwas wie ein Spiegel, in dem der Einzelne in den anderen seinen eigenen Konflikte, Ängste, hilflose Lösungen besser wahrnehmen kann und damit auch verändern kann.

Individuell kann es aber Gründe gegen eine Gruppentherapie geben. So wird im allgemeinen ein erfahrener Psychoanalytiker einem Patienten mit einer sehr schweren Depression, mit schweren Zwangsstörungen, in einer akuten psychotischen Reaktion oder bei akuten Suchtmittelabhängigkeiten und offenem dissozialen Verhalten nicht zu einer ambulanten analytischen Gruppentherapie raten.

Soziale Ängste, z.B. vor einer Gruppe zu sprechen oder die Scheu, sich mit den Problemen anderer zu belasten, sprechen eher für die Aufnahme einer Gruppentherapie.

Behandlungsverlauf

Die Krankheitssymptome  werden als ein Ausdruck seelischer Not verstanden und als ein missglückender Versuch, über die Symptomentwicklung einem ursprünglich seelischen oder zwischenmenschlichen Konflikt auszuweichen.

Die Gruppe, in die ein Patient aufgenommen wird, hat häufig durch den langen Umgang miteinander schon jahrelange Erfahrung, so dass in dieser Gruppe Patienten mit unterschiedlicher Dauer ihres Behandlungsfortschrittes vorhanden sind. Deshalb können die „Neuen“ in der Gruppe intensiv erleben, welche Veränderungen die Behandlung für die Einzelnen erbracht hat. Sie können sich in anderen spiegeln und sich mit ihnen identifizieren: das schafft viel Motivation für die eigene seelische Arbeit.

Nicht allein die Durcharbeitung der jeweils eigenen Problematik ist dabei in der analytischen Gruppentherapie hilfreich, sondern auch die direkte Auseinandersetzung mit den jeweils Anderen, die Beobachtung der Beziehungsabläufe im Rahmen der Gruppe zu Einzelnen, zur Gesamtgruppe und auch in der Beziehung zum Therapeuten.

Für manchen Patienten sind die Prozesse innerhalb der Gruppentherapie emotional intensiver spürbar als in der Einzeltherapie: ein Vorteil für diejenigen Patienten, denen es schwer fällt, Zugang zu ihrer Gefühlswelt zu finden, z.B. für Menschen mit psychosomatischen Leiden.

Die analytische Gruppentherapie macht oft auch deutlich, wie sehr die Menschen in unserer Kultur isoliert sind in ihren kleinen, häufig abhängig machenden Familienstrukturen. So hilft der Gruppenzusammenhang, die vielen gesunden Ich-Anteile in jedem zu mobilisieren, die häufig in der Isoliertheit der eigenen Lebensbezüge nicht wirklich zum Tragen kommen konnten. So kann für viele auch ein Teil der blockierten Ich- und Persönlichkeitsentwicklung durch die Dimension der Gruppe nachgeholt werden.

Die Gruppenzusammenstellung liegt in der Verantwortung des analytischen Gruppenpsychotherapeuten. Es gibt – eher im stationären Bereich – Gruppen, die nach spezifischen Problemschwerpunkten und deren Diagnose zusammengestellt wurden, wie Suchtpatienten, Magersucht und anderes. Der ambulant arbeitende analytische Gruppentherapeut wird dagegen in der Regel versuchen, die Gruppe nach Geschlecht, Alter, sozialem Hintergrund möglichst vielfältig zu halten.

Ziel der Behandlung ist, die Symptome zu verlieren, darüber hinaus eine innere und äußere Autonomie, Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz zu erwerben und sich wiederholende Beziehungsmustern zu durchbrechen, die immer wieder zu inneren und äußeren Problemen in der privaten und beruflichen Welt geführt hatten.

Schweigepflicht

Eine Selbstverständlichkeit in der Beziehung zwischen Patient und Therapeut ist die Schweigepflicht über sämtliche Inhalte der therapeutischen Gespräche. Dies gilt im Rahmen der Gruppentherapie auch für die Inhalte, die der einzelne Patient über andere erfährt.

Dauer

Analytische Gruppentherapien  sind in ihrer Behandlungsdauer den Einzeltherapien vergleichbar. Die Auswertung vieler Behandlungsverläufe bestätigt, dass nicht das Setting (Einzel-/Gruppe-/Nieder-hochfrequent) bestimmend ist für die Behandlungsdauer. Eine umso größere Bedeutung kommt der angemessenen Indikationsstellung und Wahl des Verfahrens zu, wie es bei einem erfahrenen Psychoanalytiker, der sowohl Einzel- als auch Gruppenanalysen durchführt,  gegeben ist.

Kosten

Die analytische Gruppentherapie ist eine Krankenbehandlung und wird von gesetzlichen Krankenkassen nach Bewilligung finanziert, von den Beihilfestellen entsprechend anteilig und den privaten Krankenversicherungen je nach Vertragsvereinbarung.

Krankenversicherte Patienten können davon ausgehen, dass ihre Behandlungskosten bei entsprechender Indikation von der Kasse übernommen werden, ohne dass eine private Zuzahlung oder eine Privatfinanzierung der Therapie nötig ist.

In einzelnen Fällen erscheint es als sinnvoll, eine Gruppenpsychotherapie auch nach Erreichen der Obergrenze der Kassenfinanzierung fortzusetzen, andere möchten aus Diskretionsgründen die Behandlung selbst finanzieren. Aufgrund der gegenüber der Einzelpsychotherapie geringeren Honorare ist dies fast immer möglich.

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